Hinterachse überbremst! Wat nu?

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Ueppich
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Hinterachse überbremst! Wat nu?

Beitrag von Ueppich » Mo 9. Jun 2008, 09:00

Hallo Kollegen!
Bin mit meinem Latein am Ende und bitte um euren fachkundigen Rat.

Bei meinem 76er GTE habe ich im Laufe der Restaurierung auch die Bremse neu gemacht (Beläge, Radzylinder, Bremskraftregler, Trommeln, Scheiben und Leitungen). Nun überbremst die Hinterachse.
Die neuen Teile habe ich auch alle nochmal geprüft und gemessen, es sind die richtigen (200er Bremse hinten, 811er Bremskraftregler). Die Leitungszuordnung zum Regler habe ich auch mehrfach überprüft und Varianten ausprobiert, ohne Erfolg.

Vom Vorbesitzer weiß ich, dass vorn Passat GLI-Federbeine montiert sein sollen, kann dies zu dem unerwünschten Verhalten führen? Es könnte sein, dass die Kolbendurchmesser beim GLI größer sind (VW II mit 58 statt 54 mm?). Die innenbelüfteten Scheiben sind die gleichen wie beim GTE.

Wer von Euch hat Erfahrung und was ist zu tun, brauche ich andere Vordruckventile am Hauptbremszylinder?

Danke!
Jens
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dirk
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Beitrag von dirk » Di 10. Jun 2008, 12:17

Federvorspannung und Reglerfunktion prüfen.
OO---oooo---OO

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Ueppich
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Beitrag von Ueppich » Di 10. Jun 2008, 17:06

Das wär schön, wenns so einfach wär. Habe beides schon geprüft.
Trotzdem Danke!

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Stefan
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Beitrag von Stefan » Mi 11. Jun 2008, 08:12

Hi Jens
Das beste wird wahrscheinlich sein wenn die Drücke an VA und HA prüfst damit man mal weiß ob dein Regler auch wirklich regelt bei einer Bremse mit Albregler gibt es keine Vordruckventile

Gruß Stefan

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Ueppich
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Beitrag von Ueppich » Mi 11. Jun 2008, 09:04

Hallo Stefan,

der Rep.-Leitfaden sieht das anders, NUR bei Fahrzeugen mit lastabhängigem Bremskraftregler (GTE und Fox Variant) gibt es Vordruckventile, alle anderen Versionen haben die druckabhängigen Bremskraftregler am Hauptbremszylinder, ohne Vordruckventile.

Aber Du hast Recht, ich sollte die anliegenden Drücke mal messen lassen.

Gruß,

Jens

Gast

Überbremsen

Beitrag von Gast » Do 12. Jun 2008, 10:50

Ich brauche keinen Bremskraftregler und habe ihn neulich wegoptimiert weil er hinten auch zu viel druck hatte, merkt sowieso kein Tüv. Man sollte ihn nur drin lassen wenn man öfters voll beladen fährt.

bob

Regler weglassen würde ich nicht

Beitrag von bob » Do 17. Jul 2008, 08:57

Hallo,
hatte das anders herum: bei meinem 78er ZA beim Umbau auf YP die hintere 200er Bremse vom Automatik eingebaut, aber erstmal den Regler weggelassen, wollte den Aufwand für die Leitungsverlegung scheuen. Keine gute Idee - bei einer Notbremsung keilte der Wagen hinten aus, und es ging fast quer Richtung Gegenfahrbahn. Brrr. Dann Halter angeschweißt (hatte mir am Spenderfahrzeug die Maße genommen), Regler eingebaut und angeschlossen, von da an korrektes Bremsverhalten.
Die Anschlüsse am Regler waren aber anders verteilt als in der Abbildung im Ersatzteilkatalog. Am Reglergehäuse sind an den Anschlüssen kleine Richtungspfeile eingegossen, die man bei rostiger Oberfläche nur schwer erkennt.
An die Vordruckventile vom HBZ habe ich aber nicht gedacht, da ist noch der originale drin - sollte der noch getauscht werden?

Viele Grüße
bob

decker
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überbremsen

Beitrag von decker » Do 17. Jul 2008, 10:12

Vorab: Ich bin nicht ganz so bewandert.
Ich bin momentan meinen Gte auch am umbauen.
Habe h+r federn und Konifahrwerk schon drin.(Mit Tüv) Dann bin ich bzw. ein Freund von mir dabei vw typ 2 bremssättel mit innenbelüfteten scheibenbremsen zu verbauen. der tüv wollte von mir einen Nachweis über die Bremskraftregelverteilung des sattels. Ich habe ein original Werkstatthandbuch mit diesen Daten. Solltest du hierzu angaben benötigen, könnte ich dir diese Werte zusenden. Wäre zum prüfen sinnvoll. Wenn ich das richtig gelesen habe, hast du auch diese Sättel drin.

2.DOOFE Frage: Hast du ein Fahrwerk drin. ?? Standartmäßig liegt die Hinterachse recht hoch. Hierbei fühlt sich mein Auto auch an, als ob es überbremsen und übersteuern würde. Um es runter zu bekommen, muß man Feder kürzen oder Distanzstücke einsetzen. Danach ist das Übersteuern und Überbremsgefühl weg. Vielleicht könnte es auch damit zusammen hängen.

Wenn das gesagte quatsch war, bitte mich nicht fertig machen haha

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Hinterachse überbremst

Beitrag von Ueppich » Do 14. Okt 2010, 22:26

Hallo,

greife das Thema nochmal auf, da es Neuigkeiten gibt.
Jetzt weiß ich, dass das Baukastenprinzip im VW Konzern der 70er Jahre nicht nur Vorteile hat.
Der Reihe nach:
Bei meinem GTE ist das Rallyepaket verbaut, d.h. zu erwarten sind innenbelüftete 239er Scheiben vorn und die 200er Trommelbremse des Automatik hinten.
Bei Bremstests nach der Restaurierung blockierte die Hinterachse vor der Vorderachse. Einstellversuche des Reglers (Neuteil) ohne Erfolg. Den ABS- Einbau habe ich verworfen, also weiter grübeln.
Mein Vorbesitzer erwähnte beiläufig, dass er Federbeine eines 79er GLI verbaut hat, "ist ja baugleich"....oder?

Aufgrund meiner überbremsenden Hinterachse bin ich mal ein bissl tiefer in die Thematik eingestiegen und weiß nun, dass ich falsche Vorderrad- und/ oder Hinterradbremsen habe, kann nicht funktionieren.
Hier mal Daten und Fakten, dröge aber hilfreich, vielleicht auch für andere Fragestellungen...

Audi80 GTE Modell 76-78 (Sollwerte):
1. Vorderachse
- Bremskolbendurchmesser 44mm
- effektive Bremsbelagfläche:108cm² inkl. Regennut
2. Bremskraftverstärker ATE 8" T51 (nicht mehr lieferbar)
3. Hauptbremszylinder 20,64mm
4. Bremskraftregler ATE 21/6
5. Radbremszylinder 17,46 mm
6. Bremstrommel 200x40mm
7. Bremsbeläge 200x30mm(!), nicht mehr lieferbar

Fakten Passat GLI 110PS, Modell 1979 (Sollwerte):
1. Vorderachse
- Bremskolbendurchmesser 48mm
- eff. Belagsfläche 156cm²
2. Bremskraftverstärker ATE 8" T51 (nicht mehr lieferbar)
3. Hauptbremszylinder 20,64mm
4. Bremskraftregler ATE 21/6
5. Radbremszylinder 17,46mm
6. Bremstrommel 200x40mm
7. Bremsbeläge 200x40mm(!)

Darüber hinaus gibt es bei Audi B1 und Passat B1 verschiedenste Übersetzungen am Bremspedal (wirksamer Hebel zwischen Drehpunkt und Angriffspunkt Bremszylinder), das habe ich bei mir noch gar nicht kontrolliert ("habe-mal-ein-Passat-Pedal-eingebaut-ist-ja-baugleich...").

Da die 30mm Bremsbacken der HA kaum zu bekommen sind, haben inzwischen die meisten Audi80 mit 200er Bremse wohl 40er "drin". Bedenklich, denn das Überbremsen der Hinterachse zeigt sich nicht unbedingt auf dem Bremsen-Prüfstand (Stichworte Fahrdynamik, Bremskraftregler,...).

Da es verschiedenste Teile weder für Geld noch für gute Worte gibt, muss ich nun überlegen, was die optimale Lösung ist. Ob es funktioniert, wenn ich ALLES auf GLI-Teile umbaue, muss sich zeigen, denn ich möchte meine innenbelüftete Vorderradbremse beibehalten.

Wer Teilenummern zu obigen Teilen braucht, ich habe sämtliche Mikrofilme geplündert.
Gruß,
Üppich

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andreas
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Beitrag von andreas » Mo 1. Nov 2010, 00:24

Moin!

Oha - bin etwas erstaunt über deine Ausführungen... mußte erstmal länger überlegen (mit noch nicht befriedigendem Ergebnis).

Also erstmal die Belagbreite bei den 200er Trommeln... ich sehe nicht, warum die Verzögerung größer sein sollte, nur weil die Beläge breiter sind. Die breiteren haben weniger Verschleiß und nutzen die mögliche Tiefe der Trommel aus - das ist nach meinem Dafürhalten alles.

200er Trommeln haben gegenüber 180ern höhere Bremskraft durch ein größeres Bremsmoment (Hebelarm), wenn auch die Radbremszylinder größer sind.

Vordruckventile sollte man generell rauswerfen, sie halten einen Druck von 1 bar in den Leitungen nach hinten. Besonders wichtig ist das natürlich dann, wenn man hinten auf Scheiben umrüstet :)

Es genügt, die Ventile ihres Innenlebens zu berauben, die Gehäuse braucht man ja noch als Adapter für die verschieden großen Gewinde.

Die Größe des Fußkraftverstärkers (manche nennen ihn fälschlich Bremskraftverstärker) ist für mich völlig sekundär - mir ist ein kleinerer lieber wegen besserer Dosierbarkeit der Bremse, insbesondere bei nasser Straße. Außerdem verachte ich die Illusion, noch stärkerer Druck aufs Pedal brächte auch stärkeres Bremsen hervor - tückisch für Lieschen Müller, weniger für uns, klar.

Entsprechendes gilt auch für die angesprochenen verschiedenen "Pedal-Übersetzungen"... am Bremsverhalten ändert das ja nichts. Allerdings hat mich das befremdet, mir ist das noch nie aufgefallen. Man muß aber auch bedenken, daß der Passat länger gebaut wurde als der Audi B1 - ab Modelljahr 1979 flossen am Passat ein paar Änderungen ein.

Zum Thema Überbremsen... erstmal ist natürlich drauf zu achten, daß der richtige Radzylinder-Durchmesser verbaut wird. Zu groß wäre tückisch. Die 200er Trommel darf natürlich nur zusammen mit dem Bremskraftbegrenzer verwendet werden. Die Feder ist - bei auf den Rädern stehendem, unbeladenem Fahrzeug - so einzustellen, daß sie so grade eben Zug hat. Auf der Bühne baumelt sie dann kraftlos herum...

Im Grunde muß man sich darüber klar sein, daß Frontis à la Audi 80 B1 hinten nur deswegen eine Bremse haben, weil die StVZO eine Vierradbremse vorschreibt! Wenn unsere Autos mit 2 Personen und ohne Gepäck, dazu noch mit halbleerem Tank unterwegs sind, darf hinten eigentlich gar nichts bremsen.

Dann noch Folgendes: eine verstärkte Bremse vorne kann auch zu einem "Überbrems-Effekt" an der Hinterachse führen! Das wirkt paradox, deshalb schreibe ich "Effekt". Das härtere Zupacken der Vorderradbremse bewirkt eine besonders starke dynamische Achslastverschiebung - die Karosse wird hinten ruckartig aus den Federn gehoben. Es ist dann damit zu rechnen, daß der Bremskraftbegrenzer nicht schnell genug reagieren kann - somit reicht bei der minimalen Radbelastung ein geringer Restdruck, der die Hinterräder zum Blockieren bringt.

Naja, das waren mal meine ersten Überlegungen...


Gruß,

Andreas

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